Chatterreise 1999
vor sechs jahren tauchte ich in die welt der chats ein, neugierig, ahnungslos. war dann über die dimensionen doch recht überrascht, erwischte einen seriösen chat mit interessanten menschen. bei planung meines ersten großen autourlaubs 1999 wurde mir mehrfach gastfreundschaft auch von chattern zuteil, für die ich mich mit diesem online-bericht bedanken wollte
Friday, September 16, 2005
Tuesday, September 06, 2005
13.08. - 15.08.99

Abreise nach dem Frühstück mit dem Zeil einer Kurzetappe nördlich von Nürnberg. Abschließender Paukenschlag aufs Konto: ein sehr exklusives Waldhotel, auch und besonders was den preis anbetraf. Dabei war klar, daß die Nacht nicht dem Hotelschlaf vorbehalten war. Verschwendung! Nun für eine Nachtschicht am Chatplatz darf ich ja auch mal vorschlafen.
Gastgeber Frischling holte mich dann ab und die lange und laut angekündigte Gastronomie nahm ihren Lauf. Frischling, hast keinesfalls übertrieben, es war ein kulinarischer Hochgenuß in Deinem Steakhouse!
Immer für eine Überraschung gut, wurde ich von ihm auch noch gerade rechtzeitig vorm Erscheinen seines Kumpels Rudi gewarnt. Der brach dann auch über uns herein wie eine Sammlung großer Wasserfälle! Was für ein Temperamentsbolzen!
Rudi einladen und: Lolli, Flippy, da könnten wir Pause machen und uns zurücklehnen!
Eine Chatnight im Rechnerraum bis früh 5:00 hat schon ihren eigenen spröden Charme. Meine beiden bodyguards waren sichlich amüsiert am chatten, für Rudi war's eine Premiere, während ich eigentlich mit der Übertragung von nun schon 220 Digitalfotos auf Festplatte arg zu tun hatte. Auch die Vorführung meiner Fotokünste im Monitorformat mußte noch sein.
Ziel: Die konzentrierte Ansammlung meiner weiteren Verwandschaft in Thüringen war ausreichend vorgewarnt. Dorthin reise ich ausgesprochen gerne, da ich stets willkommen bin und mich dort seit der frühesten Kinderzeit sehr wohl fühle.
Der letze Tag ist am schnellsten beschrieben: Unter Protest der Sippe reiste ich wie immer am frühen Nachmittag ab, die Strecke ist inzwischen keine Besonderheit mehr, aber immer wieder schön und gut zu fahren: Thüringen, Frankenhochwaldstraße, Plauener Höhen, Vogtland, Reichenbacher Hochland, vorbei an Sachsens Perlen Chemnitz und Dresden weiter Richtung Brandenburger Heimat.
Ankunft am heimischen Hochhaus Sonntag abend, nach 4047 km in 25 Tagen mit ausschließlich schönen Erlebnsissen mit guten Freunden ohne Unfall oder Panne, ja nicht einmal einen Stau konnte ich erleben!
Was für ein Urlaub!
12.08.99
SoFi überlebt, keine der prophezeiten Katastrophen war eingetreten, mal abgesehen davon, daß Frischlings Auto nicht mehr älter als zwei Wochen werden kann, mein Reisegeldlimit gegen Null strebt und meiner fortschreitenden Dauermüdigkeit war eigentlich alles in bester Ordnung.
Aber einige kleinere unwichtige Kataströphchen hatte dieser Tag nach dem großen Ereignis doch zu bieten:
Panne 1: Mein erneuter Besuch auf der Rosenburg war wieder ein Fehlschlag, nach Bergauffahrt und Fußmarsch oben angekommen, verriet uns ein kleines unscheinbares Zettelchen, daß wegen Erkrankung der Falkner die Vorführungen nicht stattfinden können. Nun, Greifvögel im Käfig wollte ich nicht sehen. Also kehrt und Abgang.
Panne 2: Kartenvorverkauf für ein Konzert der Superklasse mit Hindernissen. Mehr dazu später!
Ich entschloß mich zu einer Kurztour zum Donaudurchbruch bei Kelheim, suchte die dem Kloster Weltenburg gegenüberliegende flache Uferzone. Mächtige alte Bäume spendeten guten erfrischenden Schatten, nur wenige Touristen fügten sich unauffällig in die Landschaft ein. Wegen völliger Überarbeitung am Vortage war keine der Regenwoken zu sehen, weiße kräftig grünbewachsene Felsen leuchteten sonnenangestrahlt vor sich hin und ich hatte endlich mal einige Momente der Stille... Mal Nachdenken, Seele baumeln lassen, Genießen...
Auf dem Heimweg verfiel ich in eine gewöhnliche touristische Unsitte, entdeckte ein Schloß Randeck, folgerte daraus die Existenz einer gediegenen Gastronomie und mischte mich unauffällig unter eine Reisegruppe altehrwürdiger fideler Damen, die ein Busfahrer gerade vor dem Restaurant ausgeschüttet hatte. Ausblick von der Burg, Menu, Stimmung der Ladies waren prima, soweit war die Welt in Ordung.
Bereits bei der telefonischen Quartierbuchung für Riedenburg war die Rede vom kulturellen Höhepunkt des Urlauberparadieses: der zum dritten Male stattfindende Musiksommer beeinflußte alle örtlichen Aktivitäten, emsige Vorbreitungen machten mich neugierig: Immerhin: Eröffnungskonzert mit den Moskauer Sinfonikern und weiter eine Woche mit prominenten Namen der Musikszene. Ich mußte mir eingestehen, hier jahrelanges Defizitit aufgehäuft zu haben. Also: Beschluß Karte kaufen, hingehen. War ja auch ein verlockendes Angebot: mitten in der Riedenburger Altstadt auf einem Marktplatz umsäumt von herrlich restaurierten Häusern wurde eine beachtliche Kulisse mit großer Bühne und reichlichem Zuschauerraum open air aufgebaut. Geradezu liebevoll wurden die Details hergerichtet: Vorhänge drapiert, Teppiche ausgerollt, Stühle gesäubert und ausgerichtet. Die Sponsoren, schwergewichtige Geschäftsleute der Umgebung übernahmen höchstpersönlich den Bereich des Entré und der Security, extra fein gemacht in sandfarbenen Jacketts.
Eine alte Weisheit bestätigte sich wieder: Wenn eine(r) eine Reise tut,....Man kann Leute kennenlernen oder treffen und nur noch staunen...
Zunächst der Herr beim Abendimbiß vorm Konzert, spätes Mittelalter, groß, stattlich und elegant hatte meine heftigen Bemühungen um eine Konzertkarte mitbekommen und nun nach dem Erfolg nachgefragt. So ins Gespräch gekommen stellten wir ziemlich schnell fest: Berufskollegen am Tisch. Na bitte, auch das klappt in jedem Urlaub muß ich an mindestens einen geraten! Kunststück, Pauker machen auf den Rest der Welt einen so bedrohlichen Eindruck, daß sie nur im Sommer und dann im Rudel mal für einige Wochen freigelassen werden können. Da sind sie dann zeitweise unter sich und können keinen großen Schaden anrichten.
Ich schau gern in die Gesichter der mich umgebenden Menschen, manchmal auch mit dem Hintergedanken, irgend ein bekanntes zu entdecken. Die Überraschungen waren dann doch auf meiner Seite: Noch Vor Konzertbeginn traf ich auf einen Kollegen, den ich bei einer Tagung zu InfoSCHUL kennengelernt hatte, einem Musikprofessor. Das Konzert war wohl Begründung genug für seine Anwesenheit.
In der Pause gelang mir dann eine Meisterleistung: Geradezu suchend eilten meine Blicke durch die Reihen, mit Schmunzeln und einigem Kopfschütteln nahm ich einige Auswüchse vom Münchner Modegeschmack auf und war dann doch über ein mir sehr vertrautes Gesicht überrascht: Tochter und Enkelin einer Kollegin aus der Heimat, beide im "kleinen Schwarzen", die ich natürlich gemein von hinten auf eine Fotoerlaubnis ansprach. Die waren natürlich beide völlig überrumpelt!
Das Konzert selbst wurde ein großer Genuß und wunderschöner Abschluß zur Riedenburgwoche für mich. Stravinski, Beethofen und der aktuelle Hummel waren als Komponisten angesagt. Eine witzige Elefantenpolka (Zirkus), gefolgt von einem modernen doch schwerer verdaulichen Stück inklusive freundlicher verbaler Einführung für Laien, im ersten Teil, wurde nach der Pause mit Beethovens Leonora fortgesetzt. Als Höhepunkt im Konzert wurden uns Auszüge aus einem neuen Bayern-Musical noch vor der geplanten Uraufführung vorgetragen, die favorisierten jungen Sänger der Hauptrollen hatten ihren großen Auftritt. Ich muß noch herausfinden, wie die berühmte Sissi an den Bayern-Ludwig geraten konnte, hier verlassen mich wieder meine spärlichen Geschichtskenntnisse. Bin ja nun keine Fachfrau in Sachen Musik, aber das "Phantom der Oper" hörte ich schon doch an zwei Stellen wohlklingend heraus.
Monday, September 05, 2005
11.08.99 Teil 2
Auf dem Wege dahin riß doch tatsächlich die Wolkendecke derart auf, daß es schon einer Provokation gleichkam, anhalten , aus dem Fahrzeug raus, Fototechnik in Anschlag, ... Murks, die Folien waren nicht fertig aufgeklebt... Aber: wir haben ein sehr schönes und eben echt selbstgemachtes Original von einer partiellen von der totalen SoFi, verstanden? Mit einer Digitalkamera konnte man ja sofort Eignung und Qualität der Bilder über ein Display kontrollieren, das ist beruhigend.
Kloster Weltenburg bei Kelheim mit dem Weltenburger Hof hielten wir der Würde des Tages angemessen. Das Menü auch! Wildschweinragout in Rotweinsoße, hervorragend gewürzt, danach jede Menge Cappuccinis, die braucht man zum erzählen!
Nun hatte ich ja noch ein Attentat auf meinen Begleiter vor, brauchte nicht lange zu betteln, inzwischen etwas zeitknapp, beeilten wir uns sehr, noch ins Riedenburger Kristallmuseum zu kommen. Für Frischling ja die Premiere, Kunststück, er wohnt ja auch immerhin 83 km von da entfernt!
Was sage ich euch: Wir waren beide fasziniert, ich nun schon das vierte Mal! Wir schlichen andächtig auf leisen Sohlen um die größte Bergkristallgruppe der Welt herum, die durch wechselndes Farblicht immer wieder neu erschien. Die größten Kristalle höher als ein Meter! Dazu dezente Musik und eine Säuselstimme erzählte uns etwas über Bergkristall und mahnte werbeträchtig, ja nicht den Laden nebenan zu übersehen. Doch wir hatten es zunächst noch auf die Turmalinpräsentation abgesehen. So etwas ist nicht beschreibbar, Farben, Strukturen, Vielfalt, atemberaubend und geschickt in einem fast dunklen Raum in schwarze Wände eingebaut, die Scheiben wurden von hinten durchstrahlt und bekamen dadurch Feuer und Brillianz - ach was red ich, fahrt selbst hin!
Meine Planung sah eigentlich schon lange keine Einkäufe in Edelstein mehr vor, aber man muß ja mal schauen, irgendwelche Schnäppchen nicht übersehen. An einem kleinen Malachit-Ei kam ich auch nicht vorbei. Ansonsten erwischte ich mich bei einer gewissen Enttäuschung, nun nach Idar-Oberstein wohl keine Frage mehr. Das schlechtere Angebot in Riedenburg wurde durch die viel höheren Preise marktgerecht kompensiert, so muß es halt sein, ihr lieben Touristen.
Mir fiel außerdem auf, nach viermaligem Besuch darf ich das dann doch mal erwähnen, die Eigenschaft der Versteinerung hatte offensichtlich auf die Damen im Laden schon abgefärbt, unbeweglich bewachten sie mit starrem Blick und verkniffenem Mund die begeistert in Steinschälchen wühlenden Kunden. Keine meiner Fragen wurde annähernd beantwortet, es sei denn Schulterzucken zählt da schon als solches. Bei meinem ersten Besuch war eine nette Verkäuferin dabei, die schrieb mir die Namen der acht Kugeln auf ein Zettelchen, vier davon so falsch, daß ich trotz eigener Unkenntnis dieser Arten darüber stolperte und doch etwas an der Qualifikation der Dame zweifeln mußte. Verzeihung, ich will nicht meckern, aber kann man heute so lax an seinen Job gehen, den ganzen Tag dastehen und die 50 .. 100 gängigen Fachbegriffe nicht beherrschen, ich wollte auch nur meine acht Kugeln benannt haben! Oh ich komme wohl von weit her, so daß ich das wohl nicht verstehen konnte.
Hier konnten wir uns noch ausführlich und ungestört unterhalten. Nein, auch dazu wird es hier keine weiteren Offenbarungen geben. Heutzutage schaut man auch nicht in die Briefmarkensammlung, sondern in die Digitalkamera und freut sich über die bereits 190 existierenden Urlaubsfotos.
Mit der festen Vereinbarung, Freitag treffen zum Teamchat nördlich von Nürnberg war dann die Verabschiedung weniger aufregend.
11.08.99 Teil 1
Oh das sollte ein schöner Tag werden, Frischling kommt her und bringt die Sonne mit oder war's die Finsternis oder wollte er nur die Brillen mitbringen? Eigentlich war noch Kumpel Rudi im Spiele, Kanu fahren wollten sie auch noch. Konnte gerade noch rechtzeitig warnen, sonst wäre es zum Unglück gekommen. Oder haben die ein Kanu in XXXL? Wobei, im heimatlichen Brandenburg habe ich das als Ferienspaß gerne betrieben, schöner Freizeitsport. Doch, Kumpel Rudi zog die schnöde Arbeit unserer illustren Gesellschaft vor.
Gerade noch rechtzeitig zum späten Frühstück erschien er ganz abgehetzt zu Fuß, das noch alte Auto hängt bockig irgendwo im Ort, es wußte von der geplanten Verschrottung und bäumte sich halt auf! Nun ja, da nehmen wir halt meines!
Frühstücken, Fotoausrüstung schnappen und Abfahrt. Frischling, warst ein prima Copilot, konnte endlich mal ohne Fragezeichen drauflosfahren. Wir suchten wie sehr viele angeblich verrückte Menschen das Loch in der Wolkendecke, die ausgerechnet an diesem Tage und ausgerechnet in der Gegend komplett organisiert war. Einige kleine blaue Zipfel hielten die Hoffnung doch tatsächlich bis -1 Minute am Köcheln!
Autobahnmeidend bewegten wir uns in der Hallertau, dem bayrischen Hopfenanbaugebiet, sehr ungewohnter Anblick für mich. In Mainburg wurde es dann end, Stau in allen Richtungen. Wir waren uns einig: Keinen Streß in und mit der Meute, also wenden und weg durch die Seitenstraßen. Bei den letzten 20 Minuten der Wolkenlochverfolgung erinnerten wir uns schmunzelnd an den kürzlich gesehenen Film Twister, in dem begeisterte Hurrican-Jäger dem Auge im Zentrum nachjagten. Na gut, bei uns war es nicht so gefährlich, es sei denn ich treffe einen Baum oder Straßengraben.
In einem Dörfchen war doch tatsächlich schon die Straßenbeleuchtung an! An die geplanten Fotos denkend fand ich das gar nicht so gut. Voll konzentriert mußten wir in den letzten Minuten vor der totalen Verfinsterung vieles in unseren Augen behalten: Weg, Karte, Wolken Wolkenloch, Uhr. Wer es nicht wußte wäre nie darauf gekommen, daß wir beide uns an diesem Tage erst vor wenigen Stunden das erste mal sahen und absprechen konnten. War doch 'ne starke Teamarbeit, nicht wahr?
Zur angegebenen Zeit der Totalen sagte ich mitten auf einem Feldweg, so jetzt ist Schluß mit der Fahrerei, Sonne finster oder nicht, hier bleib ich stehen. Links und rechts Hopfen, rundherum Wald und Wiesen und das wichtigste erwarteten wir von oben. Da kam auch etwas: Schnelle Verfinsterung, optisch gut faßbar wie bei einer Dimmersteuerung und exakt zur angesagten Totalen brach über uns ein stürmischer Wolkenbruch herein, daß ich das Gefühl bekam, in einer Waschanlage zu stehen. Nein, die hätten nicht so viel Wasser gehabt und die Walzen fehlten ja auch noch. Aber die Wirkung war doch eine gewaltige, wir staunten still vor uns hin, vergaßen zu fotografieren! Wenigstens uns auf Tauchstation hätten wir ablichten können, als Beweis sozusagen.
10.08.99
Geburtstag, mein eigener. Nix besonderes, passiert jedem mal und mir jedes Jahr. Machmal sogar in den Ferien, was früher immer so war, aber seit den rollenden Ferienzeiten ist das auch nicht mehr sicher. Das schönste: keiner hat's an den Tage bemerkt, daß ich schon wieder eins älter wurde. Na gut, die Sippe konnte sich's wieder nicht verkneifen und mußte dies laut durchs Handy verkünden. Besonders gäbs eigentlich nur über meine früheren Formen des Feierns zu berichten, ich denke schon ungewöhnlich und immer spannend voller Überraschungen: Alles andere all die übliche Tortenschlacht mit Kerzenauspusten und Schleifen am Päckchen, nicht einmal immer Blumen, aber wenn solche, dann besonders liebevoll gemauste, gepflückte, gemalte...Beim Hochgebirgsurlaub gab's zum 18. Geburtstag Silberdisteln, zwei Meter hoch!
Durch die Ferienpräsenz entwickelte sich eine mir eigen Sicht auf diesen einzigsten privaten Feiertag: etwas besonderes darf schon sein, so daß die Erinnerung daran gut haften bleibt. So mußte ich vor Überreichung der Silberdisteln einen Tag durch schwieriges glitschiges Kalksteingebirge auf einen Tatraberg namens Onishte klettern, um kurz bei Regen mit meinen Bergfreunden zu rasten und zu frieren und dann wieder möglichst wenig rutschend wieder herunterzuklettern. Die Belohnung dafür: Mein erster flüssiger Enzian! Der lief gut!
Die Feier zum zwanzigsten geriet zur zweiwöchigen Fahradtour durch Thüringen.
Und weil so schön lief, der folgende Geburtstag als krönender Abschluß der 10-Tage-Radtour durchs Böhmische mit Ziel und Fete in Prag, meiner (un-)heimlichen Liebe unter Europas Großstädten. Oder: Dem ersten Viertel vom Hundert widmete ich die elegante Form der Rucksack-Tramp-Tour, zwei Wochen durch den Böhmerwald zu zweit, herrlich. Aber auch ziemlich naß nach wochenlangem Regen, das Zelt hing neben den Socken zum Trocknen, Biwak tut's auch.
Innerdeutsch bemerkenswert. Ungeplant und drum so schön, der Vierzigste wurde während meines ersten nachwendischen Besuchs im königlich-bayrischen Biergarten zu München ersäuft. Die Liste solcher Geburtstage ist länger, zu lang.
So gesehen wurde der aktuelle Feiertag sehr ruhig und unbedeutend, aber genau das war gewollt. In den letzten Jahren hatte ich zu Hause mehr Telefondienst als Feieraktivitäten, ich bin auch so schreibfaul geworden, Anruf ist bequemer.
Also weit weg vom Telefon und Handy aus. War ein wunderschöner Ausflug: Schleuse Dietfurth, Beilngries, Schloß Prunn, die Perlen des Altmühltals. Komisch geregnet hat es auch wieder. Gleich werde ich für verrückt erklärt: die Krönung des Feiertages war der Nachmittagsschlaf, genau wie im Vorjahr - schon Vorbereitung auf die Seniorenphase?
Der ganze Tage war etwas überschattet durch ein Eigentor: Meine Sehausrüstungen für die Sonnenfinsternis waren spurlos verschollen, wenigstens erstmal aus meinem Gedächtnis. Dem wollte einfach nichtr einfallen, wo ich Brille und Schwarzglas versteckt hatte. Käuflich war ja inzwischen aufgrund des Medienrummels nichts mehr zu erwerben. Das betrübte mich schon, nach all den Bemühungen, sollte es das gewesen sein?
Eine allerleste noch aktive Hirnwindung flüsterte mir dann beim Nachmittagsschlaf noch eine allerletzte Chance und sehe da - alles an Ort und Stelle, SoFi gerettet!
Aber: Für den Abend war ich dann eben wieder fit wie ein Turnschuh, aber das ist auch eine ganz andere Geschichte.
09.08.99

Mir gefiel sofort die freundlich stille Landschaft, links und rechts der Altmühl bewaldete Felsenwände und Höhenzüge, verziert mit allerlei Histörchen, durchs ganzeTal eine gut befahrbahre Teilstrecke der deutschen Ferienstraße von Kehlheim bis Beilngries und gekrönt durch ein gutausgebautes Netz von separaten Fahrradwegen, das Mekka der Radwanderer aller Altersgruppen! Entlang dieser Ferienlienie gepflegte kleine Ortschaften mit einladenden Gasthäusern, Pensionen, Ferienwohnungen und Touristikangeboten, wunderschönen kleinen Kirchen und Kapellen.
Seit dem ersten Kennenlernen nutzte ich jede Reise durch den süddeutschen Raum zu einer Durchfahrt dieses Tales, nun sollte eine ganze Woche etwas mehr Tiefgang in die touristischen Schüffelrunden bringen. Die persönlichen Programmpunkte reichten für mehr als eine Woche, aber ein Spitzenreiter war und blieb das Kristallmuseum in Riedenburg. Beim ersten Besuch war ich rundum hingerissen, nun der vierte Besuch und nach dem Erlebnis Idar-Oberstein ließ schon eher eine weniger glorifizierende Betrachtung zu.
Das Museum wird natürlich wieder eine Rolle spielen. Sicher kann ich Frischling zum Besuch überreden, sein Interesse an Edelsteinen naturbelassen war mir ja bekannt. So wie wir überhaupt überraschend weitere gemeinsame Interessen feststellen konnten. Da war bereits in einem sehr frühen chat sehr schnell die Rede von astronomischen Wunderwerken der Natur - Internetfreaks und Neugierige können sich hiervon über phantastische Aufnahmen mit dem Hubbleteleskope überzeugen -
und so auch von der totalen Sonnenfinsternis mit Kernschatten im süddeutschen Raum. Für mich war es lange vor dem Medienrummel beschlossene Sache, meinen Urlaub 99 in diese Richtung zu lenken. Bald nach der Ideenfixierung zum fränkisch-brandenburgischen Chattertreffen, war dann auch die gemeinsame Jagd auf die Sonnenfinsternis beschlossene Sache. Wir müssen nur noch klären, wie das Wetter zu überlisten ist, die Chancen für wolkenfrei wurden 50:50 gehandelt und ließen weitere Spekulationen zu. Aber hatte ich in den ersten beiden Wochen pur, Affenhitze und Saunaklima. Oh Verzeihung, wie konnte ich nur vergessen, einen Tag lang verwirrte eine ordentliche Brise Nordseeluft meine Sinne.
Soviel zu den Vorhaben. Der erste Tag in Riedenburg sollte endlich mal ein ruhiger Ferientag werden, vom Frühstücksplatz in der Pension aus sah ich hoch droben am Gegenhang Greifvögel um die Rosenburg kreisen. Diese Vorführung wollte ich mir nicht entgehen lassen. Das war ein mir bislang völlig unbekanntes Thema, neugierig fuhr ich hin und enttäuscht rückte ich wieder ab: Ruhetag. Na ja, ein andermal.
07.08. - 08.08.99
Das erfuhr ich erst nach Ankunft in I-O: Am Ende meines Aufenthaltes hier sollte es den 1. Edelsteinmarkt geben. Extra für mich? Oh, sehr aufmerksam!Noch am Freitag vor Beginn des Marktes inspizierte ich die Lage, Parkplatz-bedingungen, Geschäftslage, Angebote, Gastronomie, Fotografische Möglichkeiten.
Ich hatte noch den spöttisch gemeinten Auftrag im Ohr ein rotes blinkendes Herz zu beschaffen, wie im Märchen, fast unlösbare Aufgaben sofort...Also konnte es nur ein Edelsteinherz werden, rot wäre Achat, Jaspis, aber eben nicht leuchtend.
Nein, Leute, wer soll den Rubin bezahlen? Ich war ja der Meinung, aus gegebenem Anlaß wäre auch ein grünes Waldherz oder eines mit goldbraunen Streifen angemessen... aber Geschmack ist eben keine Streitsache. Ich habe malachitgrüne Handsteine im Museum gesehen, atemberaubend! Malachit ist unbedingt ein Favorit für mich. Am Freitag hatte man mir in 14 Edelsteingeschäften das Herz als Handstein ausreden wollen, gibt’s nur mit Anghänger"kuppplung" oder wenigstens mit Bohrung! Ich stur: Das woll'n wir doch mal sehen. Ich war mir ganz sicher, mit meiner hart antrainierten Geduld und Ausdauer schaffe ich's doch noch.
Samstagvormittag, ich beginne am unteren Ende des eben eröffneten Marktes, der bereits sehr gut besucht war und beobachtete fröhliches Treiben. Schleifer zeigten Schliffproben, Schmuckgestalter ihre Kreationen, an allen Ständen wurden schöne und teure und kitschige Sachen angeboten, für jeden etwas. Auch eine Edelsteinprinzessin war im Aufgebot, die Musi spielte auf und die Gastronomen rieben sich schon die berühmten zwei Finger. Aber bereits am allerersten Stand fing ich an zu funkeln, eine große Schale voller Handsteine, Herzen ohne Bohrung, alle in gleicher richtiger Größe, einer schöner als der andere!. Nun hatte ich das Problem aus der engeren Auswahl von 14 das richtige auszusuchen. Versucht es mal, wenn Ihr den Geschmack des Empfängers noch nicht kennt. Nun später zeigte es sich, ich hatte richtig ausgewählt, ein tiefrotes Tigerauge mit geheimnisvollem Schillern, was ja auch als Blinken durchgehen kann!
Nach ausgedehntem Beobachten des fröhlichen Treibens ließ ich mich gastronomisch verleiten und dann auch gleich noch touristisch: Ein Tischgast meinte, ich müsse unbedingt auch an die Mosel, es sei nicht weit. Na gut es war noch früher Nachmittag und die 80 km bis dahin schaffe ich auch noch. Allerdings hatte ich die Serpentinen auf der Karte nicht so deutlich gesehen, oh da ging es aber rund! Fuhr bis Traben-Trarbach, dann einige Moselschleifen, um die Weinlagen zu bestaunen - wirklich, sehr schön - und wählte für die Rückfahrt den Tunnel und durch Bernkasel-Kues gelangte ich zu den schönen Serpentinen zurück. Also hatte ich die Übung in beiden Richtungen, bin nun reif für Monte Carlo!
08.08.99
Kurz entschlossen hatte ich meine Planung zur Weiterfahrt verändert. Mein Lieblingsneffe meldete heftigen Protest an, als er meine geplante Vorbeifahrt an München/Ottobrunn vernahm. Das könne nicht sein, schließlich hatte ich seine kleine Anna (Merkt Ihr was? Das ist anna1 !) zuletzt vor zwei Jahren zur Taufe gesehen, inzwischen ist sie fast drei Jahre und quasselt mit mir am Telefon wie 'ne Alte, wird bestimmt auch 'ne gute Chatterin! Das Ziel lautete also neu: Ottobrunn zum Kaffee bis Abendbrot und weiter nach Riedenburg im Altmühltal. Es war Sonntag und damit gut Autobahn-fahren. Eine Rast kurz vor Stuttgart wurde durch einen Zeppelin direkt über uns aufgewertet. Ein Rätsel war mir noch, wie ich die fehlende südwestliche Autobahn-umgehung vor München überstehen sollte, keinesfalls wollte ich durch die City. Das Problem löste sich selbständig. Kurz durch einen mich böse schneidenden Raser abgelenkt und geriet ich westlich vor München auf den falschen Weg, der nördlich um München herum führte. Kurz entschlossen entschied ich: Bleib, wo Du bist und fahr weiter, innerhalb von 30 Minuten war ich unbeschadet an der Ausfahrt nach Ottobrunn. Obwohl ich dann viel zu spät die Pension im Altmühltal fand, der Besuch bei Klein-Anna war unbedingt nötig und wunderschön.
Bei der Abfahrt in I-O hatte es geregnet - wenn Engel reisen... - kurz vor Stuttgart war das schönste Sommerreisewetter wieder da und vor München hatte ich zeitweise eine wunderbare Sicht auf hohe Berge, ich denk mir mal das waren die Alpen.
Während der Weiterfahrt nach Riedenburg im Nordosten von München hatte ich ein astronomisches Problem, wieso hängt zu 20:00 Uhr die Sonne tief und rot frech grinsend direkt auf meiner Motorhaube? Wurde was geändert seit ich aus der Schule bin? Total geblendet stand die Frage: Bremsen? Aber nicht lange, die hinter mir fuhren garantiert ebenso ins gleisende Nichts. Immerhin, nach mehreren Kilometern hatte man die Sonne wieder in die traditionelle Richtung gehängt.
Ausgesprochen gute Fahrbedingungen, kaum noch Betrieb auf der Autobahn ab Holledau nach Regensburg, die Uhr im Nacken, also Schußfahrt nach San Remo... glaubt mir zu Hause sowieso keiner! Immerhin war ich gegen 22:00 Uhr im Ort, nun noch 30 Minuten Gartenstraße und 20 Minuten Handy im Auto suchen, Wirtin suchen, Duschen, Flippy anrufen und die Welt war wieder in Ordnung.
04.08. - 06.08.99
Dieser Tag war einer familieninternen Angelegenheit vorbehalten und muß hier nicht näher beschrieben werden. Nur soviel: Wunderschöne Fahrt durch aufsteigenden Morgennebel im Hunsrück, Fahrt über Kaiserslautern nach Maikammer bei Neustadt/Weinstraße unter Vermeidung von Autobahn. Zielort malerisch in den Weinbergen gelegen, gute Sicht auf Rheinniederung und das Hambacher Schloß. Dank eines Fahrfehlers durfte ich mich noch durch die engen üppig und weinträchtig geschmückten Gassen von Bad Dürkheim schlängeln.
Das Thema Edelstein ist ausreichend bearbeitet, nun ist da noch ein Kupferbergwerk in Fischbach im Angebot, das auch verspricht, am heißen Sommermittag etwas Kühlung zu verschaffen. Was den Berggeistern dann auch mit 11°C und 98% Luftfeuchte voll gelungen war!
Nach meiner spezifischen Frage wieviele Auf- und Abstiege meine defekten Kniegelenke überstehen müssen, kümmerte sich der junge Bergführer rührend um mich, schaute immer nach, ob wir älteren Mädels auch nachkamen. Oh ich wußte warum ich fragte, vor vielen Jahren war ich in einem noch aktiven polnischen Salzberkwerk. In 320 m Tiefe hatten wir dann eine Stunde Stromausfall, es war rappelduster und es kam die Befürchtung auf, wir müßten zu Fuß aufsteigen. Und die Hühnerstiegen hatte ich noch bei Licht gesehen, eigentlich nur Baumstämme mit Aststümpfen. Die Bergleute sind wirklich losgestiegen!
Nach gemütlichem Imbiß mit Insiderinfos von zwei irren Typen aus dem Leben der Steinschleifer leistete ich mir wieder eine geruhsame Rundfahrt durchs Grün des Hunsrück. Eine Waldlichtung lud zur Pause ein. Irgendwer flüsterte mir ein, ruf mal Frischling an, der braucht noch Informationen für das Treffen zur Sonnenfinsternis. Leider wurde ihm nix zugeflüstert, also war er nicht erreichbar. Offensichtlich war er fleißig am arbeiten. Aber: Diese Verzögerung hat mich vor unweigerlicher Beteiligung an einem just in dem Moment passierten Unfall an der Waldkreuzung Katzenloch, einer fürchterlich unübersichtlichen Schnittstelle zweier schneller Straßen bewahrt!
03.08.99

Weitaus schwieriger war es schon, einen Parkplatz zu finden, um mal für einige Stunden das Auto loszuwerden. Bereits im ersten Museum erfuhr ich deutliche Hinweise auf die heilige Touristenpflicht eines Bergwerksbesuches. Also raus aus dem Museum und rein in den Berg!
Gibt auch die Straßenführung durch das enge I-O-Tal manche Rätsel auf, immerhin eine kreuzungsarme, fußgängerfreie Miniaturausführung von L. A., irgendwie kommt man immer mal da vorbei, wo man hinwollte, zeit muß man mitbringen. Nach langer Anfahrt auf einen Berg hieß es Parken und weiter den Berg hinauf zu Fuß. Dieser Weg war dann wirklich sehr steinig, schön zwischen Bäumen und Sträuchern links und rechts aufgefädelte Prachtexemplare versteinerter Baumstücken, als Wegweiser zum eigentlichen Ziel. Der Weg war auch akustisch nicht zu verfehlen, trotz herrlichem Mischwald war da noch ein eher waldfremdes Geräusch. Das unregelmäßige Klopfen entpuppte sich dann als herrliche Spielidee für Kinder: Eltern dürfen Schürflizenz für 20,- kaufen, in einen speziellen Schacht einfahren, schürfen und die Beute per Schubkarre herausfahren, wo die Kinder bis an die Zähne bewaffnet mit Handschuhen, Schutzbrillen und Klopfwerkzeugen den Familienschatz stürmisch und kritisch bearbeiten durften. Pfiffige Bürschchen um die zwölf waren dann noch besser drauf und versteigerten gerade in einer Edelsteinbörse ihre Überschüsse.
Eine nette Kassendame brachte mich noch in der nächsten Führung unter (Singlevorteil!), der Besucherandrang reichte für die nächsten fünf halbstündigen Einfahrten. Begrüßung auf bergmännisch, Helm auf und los! Nein - eine nähere beschreibung des Berginneren gibt es hier nun nicht, Naturwunder sind nicht mit Worten nachvollziehbar, fahrt selbst ein und laßt auf Euch einwirken, was die Erde hier zu bieten hat!
31.07. - 01.08.99
Tanken und den Ortsausgang suchen und los. Überraschung: Die als unangenehm angekündigte Strecke Richtung Frankfurt/Main zeigte sich als gut befahrbar und wenig belastet, trotz Baustellen- einschränkungen und dem typischen Freitagsnachmittags- betrieb. Alle Autos zeigten das typische Fluchtverhalten. Ich hatte noch die Möglichkeit, landschaftlich Reizvolles wahrzunehmen, Achterbahn durch sanfte Hügellandschaft bis zum Taunus nördlich von Frankfurt/Main. Trotz Verfehlung der richtigen Ausfahrt und kleiner Schleife durch die Vorortlage der Bankenmetropole schaffte ich auch noch den Weg nach Bad Vilbel und durch. Nun kam mein neues Handy zum Einsatz und Flippy, die schon sehr auf der Lauer lag, lotste mich geschickt zu sich nach Hause. Beim Betreten des Hofes kam mir Flippy auch schon herzlich lachend entgegen, welch ein Empfang! Per chat kannten wir uns gerade einmal einige Wochen, aber vertraut waren wir uns doch schon. Das gemeinsame Wochenende begann wunderbar auf Erholung und Gespräch orientiert, Balkon in luftiger Höhe der obersten Wohnung, daneben die dichten grünen Baumkronen, freier Blick in die Siedlung in den herrlichen Abendhimmel Richtung Taunus nördlich von Bad Vilbel.Zu später Stunde erfolgte natürlich auch die Meldung im chat, welch ein hallo, anna2 wiederzusehen!
Der Samstagvormittag wurde mit Verwöhnungsprogramm eröffnet: Ich durfte frühstücken, durfte den Vormittagsterrassenschönheitsschlaf genießen und aufs Mittagessen warten, hatte dabei Küchen- und Chatverbot. Was soll ich Euch sagen, ich habe geschlafen. Das tat gut, endlich ausschlafen! Derweil zauberte Flippy geheimnisvoll in der Küche Tafelspitz mit Frankfurter "Grün' Soß' ", was'n Gericht! Hhhhmm, das Rezept muß ich haben!
Aufgrund der heißen Wetterlage entschieden wir uns für einen gemütlichen Nachmittagsspaziergang durch den Frankfurter Palmengarten, einer sehr schönen städtischen Erholungsanlage im Stile der botanischen Gärten, wie sie nach der Jahrhundertwende entstanden waren. Witzige Plastiken aktueller Künstler ließen uns schmunzelnd an so manchen Chatter denken, das Tierreich ist ja in den Nicknames auch gut vertreten.
Der Abend war programmiert auf Biergartenbesuch mit Flippys Freunden, zuvor bekam ich noch eine ausführliche Kostprobe von Flippys speziellem Hobby: Urlaubsreisen werden videoverfilmt und bearbeitet. Ein absoluter Knüller sind ihre selbsteingesprochenen Kommentare weitweg von jeder traditionellen Reisebeschreibungsstilistik.
Ein Beispiel: Filmszene: Indische Frauen waschen klopfend ihre Kleider im Fluß. Spezialkommentar von Flippys spitzer Zunge (die ihr ja alle nur halb so gut aus dem chat kennt!): "Die Frauen waschen nicht ihre Kleider, da werden die Bakterien erschlagen!" und so geht das eine ganze Stunde, oder viele, wenn man Zeit und die Ehre hat, ihre Videos zu sehen. Aber auch live konnte ich mich mehrfach vom unerschöpflichen Temperament meiner Gastgeberin überzeugen!
Bis zum nächsten Programmhöhepunkt durfte ich wiederum die Terrasse mit der Liege an frischer Luft genießen, bis Sohnemann Peter mit Freundin zum Grillabend antrat. Wie nicht anders zu erwarten, gerieten auch wir schnell ins Gespräch und Fachsimpeln, Kunststück - zwei Informatiker, was kann da passieren?
Nur gut, daß ich meine Gastgeberin am Montag zur Arbeit schicken konnte, hätten wir sonst je ein Ende gefunden?
28.07. - 31.07.99
Nach Abschied und Start in's neue Abenteuer genehmigte ich mir noch einen zweistündigen Autobummel durch Lüneburger Feriendörfer inklusive Einkauf einiger appetitlicher Erzeugnisse vom Bauernhof für meine nächsten Gastgeber. Meine Freunde am Zielort, eine komplette Familie aus der Heimat, war intensiv damit beschäftigt, dort beruflich Fuß zu fassen und ausgerechnet während meines Besuches passierten die Highlight des Jahres: Zwei neue Arbeitsverträge in einer Computerfirma, deren Chef, ein Dr. Ing. math., dann mir noch ein interessantes Gespräch widmete und der anstehende Hausverkauf in der alten Heimat sollte endlich perfektioniert werden. Schön wenn Probleme gelöst werden können. Schöne Idee war noch der Ausflug der drei Damen nach dem holländischen Venlo mit Inspektion der Einkaufs- und Freßmeile. Zugeschlagen wurde bei Ulla Poppken (Klamotten für Mollis) und beim Eis mit 'ner Schlagsahne, die Löffel brechen ließ! Wie schön, daß die Konsequenz auch im Urlaub war!
Nach reibungsloser Fahrt scharf an Köln vorbei Richtung Bonn und dann über die Rheinbrücke und zurück nach Niederkassel landete ich pünktlich und ziemlich heftig erwartet bei Chatfreund m allein. Erwartet von m chens Hausdamenriege, die wohl streng darüber wachten, daß auch ja anständige Frauenspersonen ihren braven Mieter heimsuchten. S'scheint, daß ich den Test überstanden habe, denn ich wurde eingelassen. M allein zeigte sich als sehr aufmerksamer freundlicher Gastgeber, in guten Gesprächen kamen wir auch auf unseren gemeinsamen Anfang im Chat zurück. Dessen guter Verlauf hatte auch positiven Einfluß für die nachfolgenden Ereignisse. Auf meinen Wunsch hin inspizierten wir Vater Rhein an den grün bewaldeten Uferpromenaden. Immerhin kennt dieser mich seit meinem vierten Geburtstag, an dem ich meine Füße etwas weiter stromauf in Germersheim ins Wasser stecken durfte.
Das erste und zweite Pils auf dem Heimweg, ein wunderbares griechisches Abendessen und das erste Andechs-Doppelbock überstand ich ja noch, ... als aber dann noch Flaute im Chat die Augen zuzog, wurden doch die Anstrengungen der ersten Urlaubstage deutlich. Nichts ging mehr, so wurde mein bis dahin so lieber Gastgeber energisch und jagte mich ins Bett!
Selbst hing er dann noch bis ca. 3:30 im Chat, wer wohl da noch zum Nachtleben erwacht war?
Wunschgemäß bekam ich am Freitgvormitag eine Spezialführung im Kölner Dom und drumherum. Bei all meiner Antipathie, im Sommer durch Großstädte zu traben, der Dom zu Köln durfte nicht fehlen. Ein herrliches Bauwerk, wunderschöne Fensterbilder in den leuchtendsten Farben!
27.07.1999
Lolli mahnte zur Eile, groß Ereignisse kündigten sich an! Kochen wollte sie, hört, hört! Lauchtorte, was auch immer das ist, aber denkt ja nicht zu meinen Ehren, nö nö. Die Gelegenheit nutzend, rollten am Montag noch zwei Chat-Ladies an, Mutter und Tochter (Spotty und Wollyne), ein interessantes Gespann.Unsere beiden Damen kamen nach Falschfahrt auch noch zu spät und mit Handycap an: Tank fast leer und Tankschlüssel zu hause vergessen. Also hieß es erst einmal, eine Werkstatt zu organisieren.
Aber die Lauchtortenschlacht war es schon wert! Hmmmm Lolli, da komm ich wieder!
Zu viert waren wir unschlagbar! Es wird schon deutlich: Haben Menschen den Willen, sich kennen- und verstehen zu lernen, so gelingt das auch! Wir wußten auch um gleichzeitig anderswo laufende Chattertreffs.
Schaut Euch das Bild von diesem Nachmittag im Chatcafe-Bildreisebericht an: Wer wagt es immer noch zu behaupten, Chatter hätten ein Defizit an was auch immer und leiden an Vereinsamung oder 'ner Macke?
Nach Erstellung einer word.doc suchten wir im chat einen Postboten und fanden ihn in Castor auf Mallorca, der superschnell durchschaltete: Von uns bekam er das doc als eMail, und er schickte dieses dann als FAX nach Island. Ja im Internet spielen Entfernungen und Wege keine Rolle mehr, Haupsache der Empfänger kriegt, was er braucht. Mit chatmail 'ne Sache von wenigen Minuten und Lolli hatte am gleichen Abend ihre Antwort per Telefon! Natürlich eine erfreuliche.
Ist das nich 'ne Wucht? Bestellung einer Übernachtung von einem Dorf bei Lüneburg über Mallorca im Mittelmeer nach Island im hohen Norden mit Postbotenwechsel. Technik die begeistert!
Was mich aber in diesen Tagen immer wieder überraschte: meine Reise wurde im chat mit Interesse begleitet, immer wieder Fragen nach Standort und Befinden... ich war und bin gerührt! Esli unterstellte mir sogar einen Schlepptopp, vermutete mein zeitweiliges Auftauchen im chat so zu erklären. Nein leider - oder zum Glück ging das noch nicht. Mal muß es ja auch ohne gehen...
Diese Anteilnahme der Chatgemeinde werde ich mit Reisebericht beantworten, ich kann nur hoffen, Ihr haltet beim Lesen durch, kürzer geht’s halt nicht.
Danke Lolli, der Aufenthalt bei Dir war ne Wucht, Androhung 1: Ich komme wieder und Androhung 2: Eisenhüttenstadt und Brandenburg und Basti warten!
24.07. - 26.07.99
Die nächste Gastgeberin aus unserem Chat erwartete mich nördlich von Lüneburg in einer idyllischen Waldsiedlung eines kleinen Heidedorfes. Nun hat auch Lolli Ferien und kann meinen Überfall vertragen. Sachen packen - was hab ich nur wieder alles mitgeschleppt? - frühstücken, ausloggen,... Abfahrt 8:30; Lolli, ich komme! Sollte zwar keine Drohung sein, aber ein Achtungszeichen ist es allemal. Denn schon unser Kennenlernen im Chat hatte überraschende Formen angenommen. Irgendetwas riß mich dazu hin, zwei Fotos von mir auf sie loszulassen. Meine aktuelle Erscheinungsform muß umwerfenden Eindruck hinterlassen haben. Lolli hing sofort mit schallendem Gelächter am Telefon und drohte mir Revanche an. Die schlug dann auch heftig ein: Ich hatte das Gefühl, eine bis dahin verschollene Schwester taucht aus den Fluten auf! Format, Mimik, ohje...! Biografische und berufliche Parallelen hatten wir schon festgestellt und daß wir auf der gleichen albernen Welle reiten, war schon im Chat klar!
Die folgenden Tage fanden schnell ihren eigenen Rhythmus, eine war immer am Chat, der Rest mußte sich kümmern! Na gut, ab und zu nahmen wir uns noch Zeit zum Essen und Wein- oder Kaffeetrinken, brachten es sogar auf mehrere Ausflüge nach Hamburg/Hafen und genossen am Sonntag den Jazz-Frühschoppen auf Lollis heißgeliebtem Feuerschiff. Mein Extrawunsch, das Schiffshebewerk in Scharnebeck zu sehen, ging in Erfüllung. Aber Lolli, eines fehlt: Die blühende Lüneburger Heide such ich noch immer!
Natürlich teilten wir uns auch die Macke der Chatsucht, der Kampf um die Maus wurde heiß geführt! Ich bin ja bloß chatsüchtig, aber Lolli hat ja dazu noch den ICQ-Tick!!!
Zunächst hatte ich aber arg zu kämpfen, gegen W'98 - mir neu - und einigen lollispezifischen Eigenarten der Ordnerhierarchie und Desktopordnung. Herrliche Ergänzung: ich war am Aufräumen und bekam Software-Einsteigeranleitungen.
Wer wagt nun noch zu behaupten chatten sei und macht doof? Und ist was für verklemmte Typen? Die kennen uns nicht!
Sonntag, immerhin fast ausgeschlafen - zumindest nach Ansicht meiner Bandscheiben. Lolli, hart schlafen ist ja gesund, muß aber Futon in Folter ausarten? Beim nächsten Besuch kriege ich den Balkon mit der Matratze!
Die wahren Chatter haben noch eine Antenne für die schönen Seiten des Lebens: Nochmaliger Besuch des Hamburger Hafens und voller Genuß beim Frühschoppen, Chicago-Jazz auf dem Feuerschiff. Es störte niemanden, daß der Frühschoppen bis 15:00 ging. Nur meine Touriplanung wurden wankelmütig. Ich habe immer noch keine blühende Heide gesehen.
Montag vormittag - das muß man uns lassen, das gemütliche Frühstück auf der Loggia mit Ausblick auf üppiges Baumwipfelgrün war schon Gesetz und ohne Kaffee geht gar nix! Wenn schon keine blühende Heide mehr, dann wenigstens ein technisches Wunder, das Schiffshebewerk Scharnebeck.
22.07. - 23.07.99
Trotz geplanter Entführung meines PCs ... und damit zwangsweiser Amputation vom Internet zogen sich meine Reisevorbereitungen endlos hin. Was habe ich eigentlich in den letzten acht Wochen in meinem Haushalt gemacht? Nix in Ordnung zur Übergabe an die Urlaubs- vertretung, nix fertig für die Fahrt...2:30 letzte Ausgehrobe gebügelt ...Immerhin, gegen 9:00 hatte ich alles (?) im Auto verstaut - wie machen das eigentlich Familien? - und war an der Stadtgrenze, ausgeschlafen, quietschvergnügt, und gespannt auf mehrere sich andeutende Abenteuer.
Auf gutausgebauter Autobahntrasse nördlich um Berlin mit sparsamer Belastung kam ich gut voran in Richtung Lüneburger Heide, mit urlauberwürdigen Pausen wurden es dann doch 7 h für die 507 km. Meine gesamte Routenplanung läßt befürchten, daß Richtung und Tageszeit immer ein "Gegendiesonneblinzeln" ergeben. Das ist die sichere Schlaftablette für mich!
Somit hatte ich dann um Lüneburg auf einer Kraftfahrstraße den ersten Schreckschuß in Form eines Geisterfahrers!!! Eine heftige Unkonzentriertheit oder gar schon Sekundenschlaf? Nur - der Geisterfahrer war ICH! Die Chance, den Bericht hier als beendet zu erklären war also DA!
Erstes Ziel war eine schöne Pension mitten im Urlauberparadies in Dorfmark, altes Fachwerkhaus, gemütlich, ordentlich und: Wirtin gebürtige Dresdnerin! Na bitte, Heimat ist halt überall! In Planung und wieder verworfen, wollte ich sofort in den Safari Park, große wilde Tiere sehen. Gestrichen wegen Übermüdung und Fahruntüchtigkeit.
Ein erstes Highlight, besser ein Northlight war ja noch vorgesehen. Kam auch sehr pünktlich, so daß sich die Frage nach dem Aufbügeln der Gala erübrigte - Augen zu und durch! Mit großer Neugier, Spannung ... ging ich dem ersten Chattertreff entgegen. Auch wenn die versprochene Schlammschlacht im Watt wegen kühlem Sturmwetter ausfiel, es war ein wunderschöner Tag mit viel gutem Gesprächsstoff.
Vorwort

03.08.99, Idar-Oberstein, Pension "Beim Ännchen"
Dank moderner abwesender Technik wird es dieses Mal doppelte Arbeit: Ich muß mit dem Reisetagebuch jetzt beginnen - es passiert soviel interessantes und schönes, wer soll sich das merken! Weit und breit kein PC zur Direkteingabe, Schlepptopp kaufen verbietet mein Konto.
Die ersten acht Wochen Chatdasein wären eigentlich eine eigenständige Story, die haben hier aber interessierte Leser sowieso miterlebt, also reduziere ich auf die für mich überraschendste Entwicklung: Sehr schnell wurden unterschiedlichste Men-schen miteinander bekannt und durchaus vertraut. So geriet die Frage nach meinen Urlaubsplänen nach einem Hinweis auf die nahenden Sommerferien zur Kernfrage. Meine Andeutung einer Reise durch Deutschland "Ossi erobert verspätet alte Bundesländer" löste eine Welle von ehrlich gemeinten Einladungen aus!
Nach anfänglichem Staunen und unverständigem Kopfwackeln "Meinen die mich?" erwischte ich mich doch immer häufiger beim heimlichen Blick in meine zerfledderte Autokartensammlung...
