Chatterreise 1999

vor sechs jahren tauchte ich in die welt der chats ein, neugierig, ahnungslos. war dann über die dimensionen doch recht überrascht, erwischte einen seriösen chat mit interessanten menschen. bei planung meines ersten großen autourlaubs 1999 wurde mir mehrfach gastfreundschaft auch von chattern zuteil, für die ich mich mit diesem online-bericht bedanken wollte

Tuesday, September 06, 2005

12.08.99

SoFi überlebt, keine der prophezeiten Katastrophen war eingetreten, mal abgesehen davon, daß Frischlings Auto nicht mehr älter als zwei Wochen werden kann, mein Reisegeldlimit gegen Null strebt und meiner fortschreitenden Dauermüdigkeit war eigentlich alles in bester Ordnung.

Aber einige kleinere unwichtige Kataströphchen hatte dieser Tag nach dem großen Ereignis doch zu bieten:
Panne 1: Mein erneuter Besuch auf der Rosenburg war wieder ein Fehlschlag, nach Bergauffahrt und Fußmarsch oben angekommen, verriet uns ein kleines unscheinbares Zettelchen, daß wegen Erkrankung der Falkner die Vorführungen nicht stattfinden können. Nun, Greifvögel im Käfig wollte ich nicht sehen. Also kehrt und Abgang.
Panne 2: Kartenvorverkauf für ein Konzert der Superklasse mit Hindernissen. Mehr dazu später!

Ich entschloß mich zu einer Kurztour zum Donaudurchbruch bei Kelheim, suchte die dem Kloster Weltenburg gegenüberliegende flache Uferzone. Mächtige alte Bäume spendeten guten erfrischenden Schatten, nur wenige Touristen fügten sich unauffällig in die Landschaft ein. Wegen völliger Überarbeitung am Vortage war keine der Regenwoken zu sehen, weiße kräftig grünbewachsene Felsen leuchteten sonnenangestrahlt vor sich hin und ich hatte endlich mal einige Momente der Stille... Mal Nachdenken, Seele baumeln lassen, Genießen...

Auf dem Heimweg verfiel ich in eine gewöhnliche touristische Unsitte, entdeckte ein Schloß Randeck, folgerte daraus die Existenz einer gediegenen Gastronomie und mischte mich unauffällig unter eine Reisegruppe altehrwürdiger fideler Damen, die ein Busfahrer gerade vor dem Restaurant ausgeschüttet hatte. Ausblick von der Burg, Menu, Stimmung der Ladies waren prima, soweit war die Welt in Ordung.

Bereits bei der telefonischen Quartierbuchung für Riedenburg war die Rede vom kulturellen Höhepunkt des Urlauberparadieses: der zum dritten Male stattfindende Musiksommer beeinflußte alle örtlichen Aktivitäten, emsige Vorbreitungen machten mich neugierig: Immerhin: Eröffnungskonzert mit den Moskauer Sinfonikern und weiter eine Woche mit prominenten Namen der Musikszene. Ich mußte mir eingestehen, hier jahrelanges Defizitit aufgehäuft zu haben. Also: Beschluß Karte kaufen, hingehen. War ja auch ein verlockendes Angebot: mitten in der Riedenburger Altstadt auf einem Marktplatz umsäumt von herrlich restaurierten Häusern wurde eine beachtliche Kulisse mit großer Bühne und reichlichem Zuschauerraum open air aufgebaut. Geradezu liebevoll wurden die Details hergerichtet: Vorhänge drapiert, Teppiche ausgerollt, Stühle gesäubert und ausgerichtet. Die Sponsoren, schwergewichtige Geschäftsleute der Umgebung übernahmen höchstpersönlich den Bereich des Entré und der Security, extra fein gemacht in sandfarbenen Jacketts.

Eine alte Weisheit bestätigte sich wieder: Wenn eine(r) eine Reise tut,....Man kann Leute kennenlernen oder treffen und nur noch staunen...
Zunächst der Herr beim Abendimbiß vorm Konzert, spätes Mittelalter, groß, stattlich und elegant hatte meine heftigen Bemühungen um eine Konzertkarte mitbekommen und nun nach dem Erfolg nachgefragt. So ins Gespräch gekommen stellten wir ziemlich schnell fest: Berufskollegen am Tisch. Na bitte, auch das klappt in jedem Urlaub muß ich an mindestens einen geraten! Kunststück, Pauker machen auf den Rest der Welt einen so bedrohlichen Eindruck, daß sie nur im Sommer und dann im Rudel mal für einige Wochen freigelassen werden können. Da sind sie dann zeitweise unter sich und können keinen großen Schaden anrichten.

Ich schau gern in die Gesichter der mich umgebenden Menschen, manchmal auch mit dem Hintergedanken, irgend ein bekanntes zu entdecken. Die Überraschungen waren dann doch auf meiner Seite: Noch Vor Konzertbeginn traf ich auf einen Kollegen, den ich bei einer Tagung zu InfoSCHUL kennengelernt hatte, einem Musikprofessor. Das Konzert war wohl Begründung genug für seine Anwesenheit.

In der Pause gelang mir dann eine Meisterleistung: Geradezu suchend eilten meine Blicke durch die Reihen, mit Schmunzeln und einigem Kopfschütteln nahm ich einige Auswüchse vom Münchner Modegeschmack auf und war dann doch über ein mir sehr vertrautes Gesicht überrascht: Tochter und Enkelin einer Kollegin aus der Heimat, beide im "kleinen Schwarzen", die ich natürlich gemein von hinten auf eine Fotoerlaubnis ansprach. Die waren natürlich beide völlig überrumpelt!

Das Konzert selbst wurde ein großer Genuß und wunderschöner Abschluß zur Riedenburgwoche für mich. Stravinski, Beethofen und der aktuelle Hummel waren als Komponisten angesagt. Eine witzige Elefantenpolka (Zirkus), gefolgt von einem modernen doch schwerer verdaulichen Stück inklusive freundlicher verbaler Einführung für Laien, im ersten Teil, wurde nach der Pause mit Beethovens Leonora fortgesetzt. Als Höhepunkt im Konzert wurden uns Auszüge aus einem neuen Bayern-Musical noch vor der geplanten Uraufführung vorgetragen, die favorisierten jungen Sänger der Hauptrollen hatten ihren großen Auftritt. Ich muß noch herausfinden, wie die berühmte Sissi an den Bayern-Ludwig geraten konnte, hier verlassen mich wieder meine spärlichen Geschichtskenntnisse. Bin ja nun keine Fachfrau in Sachen Musik, aber das "Phantom der Oper" hörte ich schon doch an zwei Stellen wohlklingend heraus.

Ich wußte es bereits vor Veranstaltungsbeginn, die Wirkung dieses Konzerts wurde eine umwerfende für mich, durch den bereits verlebten Urlaub und die Open-Air-Athmosphäre war ich doch aufnahmefähiger für die musikalischen Qualitäten als üblicherweise nach Dienst abgehetzt im Konzertsaal zu landen möglich war.


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