Chatterreise 1999

vor sechs jahren tauchte ich in die welt der chats ein, neugierig, ahnungslos. war dann über die dimensionen doch recht überrascht, erwischte einen seriösen chat mit interessanten menschen. bei planung meines ersten großen autourlaubs 1999 wurde mir mehrfach gastfreundschaft auch von chattern zuteil, für die ich mich mit diesem online-bericht bedanken wollte

Monday, September 05, 2005

11.08.99 Teil 2

Auf dem Wege dahin riß doch tatsächlich die Wolkendecke derart auf, daß es schon einer Provokation gleichkam, anhalten , aus dem Fahrzeug raus, Fototechnik in Anschlag, ... Murks, die Folien waren nicht fertig aufgeklebt... Aber: wir haben ein sehr schönes und eben echt selbstgemachtes Original von einer partiellen von der totalen SoFi, verstanden? Mit einer Digitalkamera konnte man ja sofort Eignung und Qualität der Bilder über ein Display kontrollieren, das ist beruhigend.

Kloster Weltenburg bei Kelheim mit dem Weltenburger Hof hielten wir der Würde des Tages angemessen. Das Menü auch! Wildschweinragout in Rotweinsoße, hervorragend gewürzt, danach jede Menge Cappuccinis, die braucht man zum erzählen!
Nun hatte ich ja noch ein Attentat auf meinen Begleiter vor, brauchte nicht lange zu betteln, inzwischen etwas zeitknapp, beeilten wir uns sehr, noch ins Riedenburger Kristallmuseum zu kommen. Für Frischling ja die Premiere, Kunststück, er wohnt ja auch immerhin 83 km von da entfernt!

Was sage ich euch: Wir waren beide fasziniert, ich nun schon das vierte Mal! Wir schlichen andächtig auf leisen Sohlen um die größte Bergkristallgruppe der Welt herum, die durch wechselndes Farblicht immer wieder neu erschien. Die größten Kristalle höher als ein Meter! Dazu dezente Musik und eine Säuselstimme erzählte uns etwas über Bergkristall und mahnte werbeträchtig, ja nicht den Laden nebenan zu übersehen. Doch wir hatten es zunächst noch auf die Turmalinpräsentation abgesehen. So etwas ist nicht beschreibbar, Farben, Strukturen, Vielfalt, atemberaubend und geschickt in einem fast dunklen Raum in schwarze Wände eingebaut, die Scheiben wurden von hinten durchstrahlt und bekamen dadurch Feuer und Brillianz - ach was red ich, fahrt selbst hin!

Meine Planung sah eigentlich schon lange keine Einkäufe in Edelstein mehr vor, aber man muß ja mal schauen, irgendwelche Schnäppchen nicht übersehen. An einem kleinen Malachit-Ei kam ich auch nicht vorbei. Ansonsten erwischte ich mich bei einer gewissen Enttäuschung, nun nach Idar-Oberstein wohl keine Frage mehr. Das schlechtere Angebot in Riedenburg wurde durch die viel höheren Preise marktgerecht kompensiert, so muß es halt sein, ihr lieben Touristen.

Mir fiel außerdem auf, nach viermaligem Besuch darf ich das dann doch mal erwähnen, die Eigenschaft der Versteinerung hatte offensichtlich auf die Damen im Laden schon abgefärbt, unbeweglich bewachten sie mit starrem Blick und verkniffenem Mund die begeistert in Steinschälchen wühlenden Kunden. Keine meiner Fragen wurde annähernd beantwortet, es sei denn Schulterzucken zählt da schon als solches. Bei meinem ersten Besuch war eine nette Verkäuferin dabei, die schrieb mir die Namen der acht Kugeln auf ein Zettelchen, vier davon so falsch, daß ich trotz eigener Unkenntnis dieser Arten darüber stolperte und doch etwas an der Qualifikation der Dame zweifeln mußte. Verzeihung, ich will nicht meckern, aber kann man heute so lax an seinen Job gehen, den ganzen Tag dastehen und die 50 .. 100 gängigen Fachbegriffe nicht beherrschen, ich wollte auch nur meine acht Kugeln benannt haben! Oh ich komme wohl von weit her, so daß ich das wohl nicht verstehen konnte.

Nach einigen Anstrengungen in Riedenburg hatten wir dann auch Frischlings halbtot im Ort abgestelltes Auto gefunden und wiederbelebt und machten es uns für den Abend im Garten der Pension gemütlich. Dieser Garten hatte mich vom ersten Tage an beeindruckt. Einigen Tribut an Zivilisation gezollt, war aber auch sehr viel üppige Natur pur in der Übermacht. Die Pflegedienste begrenzten sich sehr deutlich auf reichliches Wässern der unermüdlich rankenden Gewächse. Sollte mich nicht wundern, wenn im nächsten Jahr das Gartenmobiliar völlig überwuchert nicht mehr benutzbar ist und oben nur noch die Kaffeekanne herausschaut. Na den beiden schönen Gartenbewohnern würde diese Entwicklung sicher gefallen: Bei jedem Besuch wurden wir herzlich begrüßt von zwei quietschvergnügten Keramikfröschen. Warum nur muß ich bei deren Anblick immer lachen? Ach ja: die Begrüßung war's, ich meinte doch jedesmal ein freches "quak" zu hören. Nun ja, den Gruß gebe ich gerne weiter.
Hier konnten wir uns noch ausführlich und ungestört unterhalten. Nein, auch dazu wird es hier keine weiteren Offenbarungen geben. Heutzutage schaut man auch nicht in die Briefmarkensammlung, sondern in die Digitalkamera und freut sich über die bereits 190 existierenden Urlaubsfotos.
Mit der festen Vereinbarung, Freitag treffen zum Teamchat nördlich von Nürnberg war dann die Verabschiedung weniger aufregend.

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