Chatterreise 1999

vor sechs jahren tauchte ich in die welt der chats ein, neugierig, ahnungslos. war dann über die dimensionen doch recht überrascht, erwischte einen seriösen chat mit interessanten menschen. bei planung meines ersten großen autourlaubs 1999 wurde mir mehrfach gastfreundschaft auch von chattern zuteil, für die ich mich mit diesem online-bericht bedanken wollte

Monday, September 05, 2005

09.08.99


Bereits 1990 war ich zufällig in's Urlauberparadies Altmühltal geraten. Damals war es gerade mit dem unfertigen Rhein: Main-Donau-Kanal in die Schlagzeilen geraten. Die Umweltschützer hatten sich aufgebäumt, das aber bei noch wenigen fehlenden Kilomoetern eines Jahrhunderttraums mit schon langer Bauzeit. Das halbfertige Kiesbettstück durfte ich mir ansehen. Sollten die bis dahin verbauten Milliarden in den Sand gesetzt sein? Die Vorwürfe der Landschaftsverschandelung und Störung ökologischer Gleichgewichte konnte ich so schnell nicht nachvollziehen, aber meine Augen sahen eine liebevolle Einpassung der Kanalführung und Brücken in die Landschaft, dazu viele Altarm-Idylle für die Viecher am und im Wasser. Die Kanalidee ging ja wohl auf den Bayern-Ludwig und seine Verwandten zurück, da wäre ja wohl vorher Zeit zum Streiten gewesen.

Mir gefiel sofort die freundlich stille Landschaft, links und rechts der Altmühl bewaldete Felsenwände und Höhenzüge, verziert mit allerlei Histörchen, durchs ganzeTal eine gut befahrbahre Teilstrecke der deutschen Ferienstraße von Kehlheim bis Beilngries und gekrönt durch ein gutausgebautes Netz von separaten Fahrradwegen, das Mekka der Radwanderer aller Altersgruppen! Entlang dieser Ferienlienie gepflegte kleine Ortschaften mit einladenden Gasthäusern, Pensionen, Ferienwohnungen und Touristikangeboten, wunderschönen kleinen Kirchen und Kapellen.

Seit dem ersten Kennenlernen nutzte ich jede Reise durch den süddeutschen Raum zu einer Durchfahrt dieses Tales, nun sollte eine ganze Woche etwas mehr Tiefgang in die touristischen Schüffelrunden bringen. Die persönlichen Programmpunkte reichten für mehr als eine Woche, aber ein Spitzenreiter war und blieb das Kristallmuseum in Riedenburg. Beim ersten Besuch war ich rundum hingerissen, nun der vierte Besuch und nach dem Erlebnis Idar-Oberstein ließ schon eher eine weniger glorifizierende Betrachtung zu.

Das Museum wird natürlich wieder eine Rolle spielen. Sicher kann ich Frischling zum Besuch überreden, sein Interesse an Edelsteinen naturbelassen war mir ja bekannt. So wie wir überhaupt überraschend weitere gemeinsame Interessen feststellen konnten. Da war bereits in einem sehr frühen chat sehr schnell die Rede von astronomischen Wunderwerken der Natur - Internetfreaks und Neugierige können sich hiervon über phantastische Aufnahmen mit dem Hubbleteleskope überzeugen -
und so auch von der totalen Sonnenfinsternis mit Kernschatten im süddeutschen Raum. Für mich war es lange vor dem Medienrummel beschlossene Sache, meinen Urlaub 99 in diese Richtung zu lenken. Bald nach der Ideenfixierung zum fränkisch-brandenburgischen Chattertreffen, war dann auch die gemeinsame Jagd auf die Sonnenfinsternis beschlossene Sache. Wir müssen nur noch klären, wie das Wetter zu überlisten ist, die Chancen für wolkenfrei wurden 50:50 gehandelt und ließen weitere Spekulationen zu. Aber hatte ich in den ersten beiden Wochen pur, Affenhitze und Saunaklima. Oh Verzeihung, wie konnte ich nur vergessen, einen Tag lang verwirrte eine ordentliche Brise Nordseeluft meine Sinne.

Soviel zu den Vorhaben. Der erste Tag in Riedenburg sollte endlich mal ein ruhiger Ferientag werden, vom Frühstücksplatz in der Pension aus sah ich hoch droben am Gegenhang Greifvögel um die Rosenburg kreisen. Diese Vorführung wollte ich mir nicht entgehen lassen. Das war ein mir bislang völlig unbekanntes Thema, neugierig fuhr ich hin und enttäuscht rückte ich wieder ab: Ruhetag. Na ja, ein andermal.

Dann such ich halt erst mal die Spuren der Römer, die hatten ja auch einiges liegen und stehen lassen bei ihrem Abgang. Allerdings doch recht gut versteckt und zugewachsen, daß ich außer dem Eintrag Limes und Teufelsmauer in der Karte nix fand. Irgendwie läuft der Tag nicht richtig, dabei war die ganze Athmosphäre so recht zum Erholen vom Alltagstrubel angetan. Hartnäckig suchte ich doch noch ein lohnendes Tagesziel zu finden, die längst vorgemerkte Befreiungshalle zu Kelheim war natürlich gleich Favorit. Da hat sich der Bayern-Ludwig zu Ehren seiner ruhmreich über Napoleon siegenden Feldherren wieder einen geschichtsträchtigen Tempel geleistet, so sagte er jedenfalls. Über Schleichwege fand ich mich auch gut hin. Hier war ich dann auch sehr beeindruckt, Groß, wuchtig und doch elegant ausgeführt erlebte ich eine für mich sehr ungewohnte Architektur, Standort und Einfügung in die Landschaft geradezu genial! Nein, auch hier habe ich keine geschichtlichen und technischen Daten für Euch Leser, das steht doch alles im schlauen Buch. Die Wirkung auf den Besucher ist entscheidend und doch sehr individuell verschieden. Doch welche Verschwendung - ich kann's nicht anders - innen alles wohlportioniert und -proportioniert, steinerne weißgewandete Damen mit Riesenflügeln im Kreis aufgestellt, die Feldherren waren geköpft auf Säulen gebannt, der Rest lief wahrscheinlich sowieso kopflos durchs Land. Ein hohes wunderbar gestaltetes Kuppelgewölbe überspannte den ganzen Tempelboden und erzeugte eine interessante Akustik. Begrenzt andächtig kam mir eine wahrhaft befreiende Idee: Die ehrwürdigen weißen Flügeldamen wären doch schon würdig, uns Chatladies dereinst im Chathimmel auf dem Serverhügel zu repräsentieren. Bleibt die Frage, wo wir die Köpfe der chatmens unterbringen.


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